Der Radvertrag endet - Wir bleiben dran!
Am 22. Juli endet der Radentscheid-Vertrag. Wir ziehen unsere finale Bilanz und geben einen Ausblick darauf, wie es jetzt weitergeht.

Am 22. Juli endet der Radentscheid-Vertrag, der im Jahr 2021 zwischen der Stadt und dem Aktionsbündnis "Fahrradstadt Jetzt" (bestehend aus ADFC, Fridays for Future und Forum Augsburg Lebenswert) geschlossen wurde. Darin wurden die Ziele des Radentscheid Augsburg übernommen und zusätzlich mehr als 30 Einzelmaßnahmen vereinbart.
An unserer Zwischenbilanz aus dem Jahr 2025 hat sich im Wesentlichen nicht viel geändert. Da bis heute nicht alle der vereinbarten Einzelmaßnahmen umgesetzt wurden, verfolgen wir den Prozess auch weiterhin und dokumentieren den Status aller Maßnahmen in dieser öffentlich zugänglichen Karte.
Wir bedauern, dass die neu gebildete Regierung kein Interesse an einer Fortführung des Vertrages hat und möchten hier Antworten geben auf die Fragen, die wir gerade oft zum Thema Radvertrag gestellt bekommen:
Welche Punkte des Radvertrags wurden erfüllt, welche sind noch offen?
Viele der konkret vereinbarten Themen wurden zügig angegangen und auch fertiggestellt. Tempo 30 wurde unter anderem in der Schertlinstraße, Holzbachstraße, Stettenstraße sowie in der Pferseer Straße eingeführt. Auch die Schaffung neuer Radfahrstreifen und Schutzstreifen im Stadtgebiet brachte Verbesserungen. Ein wichtiger Schritt war zudem der Lückenschluss im Radwegenetz am Oberen und Mittleren Graben. Neue Fahrradbügel an zahlreichen Standorten, darunter 120 Stellplätze am Zoo und an verschiedenen Stellen in der Innenstadt, sind ein weiterer Erfolg. Viele kleinere Maßnahmen für Radfahrende wie Aufstellflächen in der Karlstraße oder am Klinkertorplatz haben die Sicherheit erhöht.
In den letzten zwei Jahren ist aber nur noch wenig vorangegangen und die großen Brocken (Donauwörther Straße, Holzbachunterführung und Auf dem Kreuz / Klinkertorstraße) sind auf der Strecke geblieben.
Letztlich geht es aber auch nicht nur um die damals konkret vereinbarten Einzelmaßnahmen, sondern, dass die grundsätzlich vereinbarten Ziele und Qualitätsanforderungen in der ganzen Stadt angewendet werden, damit Menschen gerne in Augsburg mit dem Fahrrad fahren und schnell, intuitiv und sicher an ihre alltäglichen Ziele kommen. Dieses Ziel ist noch lange nicht erreicht und der politische Wille dafür ist in letzter Zeit leider immer seltener zu sehen.
Positiv hervorzuheben sind aber die durchgeführten Verkehrsversuche (Frölichstraße, Hermanstraße, Neuburger Straße, Kriegshaberstraße), die teils auch schon verstetigt wurden. Von diesem Mut wünschen wir uns mehr, um schneller Verbesserungen im Radverkehr zu erreichen. Ein positiver Nebeneffekt des Radvertrags war auch, dass der Radverkehr heute durch Schaffung von Stellen und Bereitstellen von Geldern deutlich stärker in Verwaltung und Politik verankert ist als früher.
Plant der ADFC ein neues Radbegehren?
Ein zweites Radbegehren ist derzeit nicht geplant. Es ist aber eine denkbare Option, wenn sich zeigt, dass die Stadtregierung ohne neuen öffentlichen Druck nicht vorankommt.
Was sind die aktuellen Forderungen des ADFC?
Neben den noch ausstehenden Einzelmaßnahmen (Donauwörther Straße, Holzbachunterführung und Auf dem Kreuz / Klinkertorstraße) fordern wir, dass sich die Stadt Augsburg die rasche Umsetzung der Radvorrangrouten zum Ziel macht.
Dafür müssen Personal- und Finanzmittel, die im Zuge des Radvertrags aufgestockt wurden, stabil bleiben. Ohne Geld und gutes Personal kann nichts vorangehen.
Allerdings blicken wir auch mit Sorge auf die Neustrukturierung der Referate und fordern, dass dadurch kein Stillstand entsteht, sondern die neuen Prozesse bald effizient laufen. Die aktuellen Diskussionen zur Fuggerstraße irritieren uns. Wir brauchen durchgängige und sichere Radrouten und Fahrradabstellanlagen in allen Stadtteilen - nicht ein einzelnes Prestigeprojekt in der Innenstadt. Dafür darf nicht der Radverkehrstopf mehrerer Jahre geplündert werden, denn dies würde die Entwicklung der “Fahrradstadt” völlig zum Erliegen bringen.
“Wir fordern klare Prioritäten und politischen Umsetzungswillen für stetige Verbesserungen der Radverkehrsinfrastruktur. Denn trotz der vielen Fortschritte und guten Einzelmaßnahmen liegt das Ziel einer echten Fahrradstadt noch in weiter Ferne”, so Michael Liebert aus dem Vorstandsteam des ADFC Augsburg.
Was nimmt der ADFC als nächstes in Angriff?
Die Radvorrangrouten sind für uns das nächste große, wichtige Projekt. Nachdem in den letzten 5 Jahren lediglich die Machbarkeitsstudie durchgeführt wurde, erwarten wir nun, dass die konkreten Planungen zügig durchgeführt und umgesetzt werden.
Wir schauen uns gerade alle geplanten Radvorrangrouten genau an und laden alle Interessierten ein, uns zu begleiten. Zusammen mit Bürger:innen aus den Stadtteilen befahren wir einzelne Routen, bewerten die Routenführung und sammeln Verbesserungsvorschläge. Wir sind damit noch nicht fertig - doch soviel vorab: Die Radvorrangrouten sind der richtige nächste Schritt, wir sehen aber auch Verbesserungsbedarf bei den aktuellen Routenvorschlägen und werden diesen konstruktiv in den Planungsprozess mit einbringen, damit die Radvorrangrouten ein Erfolg werden.